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Brücken zum Balkan gebaut
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Auf Einladung von Generalmajor Erhard Bühler weilte eine hochrangige Delegation aus dem Kreis Sigmaringen im Kosovo.
Brücken zum Balkan gebaut
Sigmaringen/Kosovo – Der Kommandeur der Nato-geführten Friedenstruppe KFOR (Kosovo Forces), General Erhard Bühler, hat in der vergangenen Woche eine hochrangige Sigmaringer Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im Kosovo empfangen. Der oberste Nato-Befehlshaber im Kosovo, gleichzeitig Kommandeur der in Sigmaringen stationierten 10. Panzerdivision, nahm sich mehrere Tage Zeit, um Bürgermeister Thomas Schärer, Landrat Dirk Gaerte, Prorektor Professor Markus Lehmann von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und weitere bedeutende Politiker und Geschäftsleute aus Sigmaringen über die aufstrebende Republik Kosovo zu informieren. Ziel dieses Besuches war vor allem, politische und wirtschaftliche Verbindungen mit kosovarischen Persönlichkeiten herzustellen und Brücken zu bauen. General Bühler, der um das immer noch negative Bild des Kosovo besorgt ist, will damit für ein besseres Image dieser jüngsten Republik in Europa kämpfen.
Einer ersten Vermittlung von Wirtschaftskontakten diente ein Gespräch mit der kosovarischen Handelskammer in der Hauptstadt Pristina, bei dem zunächst die Wirtschaftslage des Kosovo erörtert wurde. Obwohl die Republik zu den schwächsten Volkswirtschaften in Europa zählt entwickelt sie eine spürbare Dynamik durch den Ehrgeiz der Menschen, die als besonders leistungsmotiviert und leistungsfähig gelten. Hierzu tragen die Auslandserfahrungen vieler Kosovaren bei, von denen ein großer Teil als internationale Arbeitskräfte ihre Volkswirtschaft von außen unterstützt. Die Sigmaringer Unternehmer sehen in diesem Humankapital wichtige Wachstumsimpulse.
Über die politische Lage des Kosovo und vor allem die europäische Perspektive und das Verhältnis zu Serbien wurden die Sigmaringer von Außenminister Enver Hoxhaj persönlich informiert. Er zeigte sich optimistisch, dass die gegenwärtig laufenden Gespräche zwischen Belgrad und Pristina bald zu guten Ergebnissen etwa in der Frage der Reisefreiheit oder der Freigabe von Personenstandsregistern durch Serbien kommen. Das wird zum Abbau gegenseitigen Misstrauens beitragen, das nach mehr als zehn Jahren nach dem blutigen Krieg in vielen Köpfen leider immer noch festsitzt. Minister Hoxhaij nutzte die Gelegenheit, um sich persönlich bei General Bühler für dessen unermüdlichen Einsatz für die Stabilität und die Sicherheit im Kosovo und vor allem dessen Engagement für die Versöhnung zwischen Belgrad und Pristina zu bedanken: „Unser Kommandeur KFOR, Herr General Bühler, ist nicht nur ein sehr erfolgreicher Befehlshaber, er ist auch ein großer Freund des Balkan und des Kosovo.“ Die Delegation wurde von General Bühler in ein Waisenhaus geführt, in dem besonders benachteiligte Kinder rund um die Uhr betreut werden. KFOR-Soldaten aus vielen Nationen haben sich seit Jahren um diese Einrichtung besonders verdient gemacht, Geld- und Sachspenden geleistet, das Haus renoviert und viele Feste und Feiern ausgerichtet. Mit den aus Sigmaringen mitgebrachten Computern aus haben jetzt die Kinder eine Chance, den Anschluss an moderne Zeiten und Techniken zu finden.
Nach den Terminen in der Hauptstadt Pristina reiste General Bühler mit der Delegation durch das gesamte Kosovo. Im Norden, vor allem in der zwischen Albanern und Serben geteilten Stadt Mitrovica, konnten sich die Vertreter aus Sigmaringen ein Bild über die andauernden Spannungen zwischen den Volksgruppen machen und die Probleme auf Grund der Tatsache, dass der serbische Norden faktisch von Belgrad verwaltet wird. Die einzige Institution, die dort für Ruhe und Ordnung sorgt und vor der auch die Serben Respekt haben, ist die Nato-Mission KFOR. Dies ist nicht zuletzt dem Engagement von General Bühler geschuldet, der seit dem vergangenen Oktober eine verschärfte Präsenz von KFOR-Truppen angeordnet hat. Seitdem KFOR-Kräfte im Norden patrouillieren und mit Straßenkontrollen Radikale und Kriminelle in Schach halten, hat sich die Sicherheitslage nördlich des Flusses Ibar deutlich entspannt.
Besonders beeindruckend waren die Besuche in den alten Klöstern der Serbisch Orthodoxen Kirche, in denen noch viele Nonnen und Mönche ihren christlichen Glauben leben. Die Klöster sind seit vielen Jahrhunderten Keimzelle und integraler Bestandteil der Orthodoxen Kirche und genießen den besonderen Schutz der internationalen Gemeinschaft. Die Sigmaringer zeigten sich tief beeindruckt, welchen großen Einfluss der KFOR-Befehlshaber auf den Aussöhnungsprozess zwischen den serbischen orthodoxen Christen und ihren albanischen Nachbarn ausübt. General Bühler ist es gelungen, in kürzester Zeit den bewaffneten Schutz der meisten Klöster mit Zustimmung der serbischen Seite an die kosovarische Polizei zu übertragen.
Abgerundet wurde der Besuch durch einen Aufenthalt im Süden des Kosovo. General Bühler zeigte den Vertretern aus Sigmaringen die Stadt Prizren, wo er selbst im Jahre 2004 Befehlshaber der deutschen Brigade war. Nicht ohne Nostalgie brachte er die Besucher in das von ihm geförderte deutsche Loyola-Gymnasium und die ebenfalls von ihm unterstützte Universität Prizren.